


Beyond
Klaus Treuheit
KTMP/poolmusic+media 5306
(43 Min., 3/2007)
1 CD
Der Erlanger Komponist und Pianist Klaus Treuheit ist als Querdenker der rührigsten einer, wenn es darum geht, die einstige Avantgarde eines Cecil Taylors zu reflektieren und weiterzudenken. Oft ist er dabei solistisch unterwegs und bereichert seine Klangpalette, indem er das Klavier oder – nota bene – das Cembalo präpariert. Selten hört man ihn in Triobesetzung. Er spielt zwar gerne mit Schlagzeugern als Partnern, doch weiß er um den gefährlichen Sog zur konventionellen Rollenverteilung, den ein Bass auf das ursprüngliche Duo auszuüben vermag. Auf "Beyond" aber lässt sich Treuheit auf die Triobesetzung ein. Im Schlagzeuger Walter Bittner hat er einen langjährigen Partner, der sich – obschon sonst meist "straight ahead" tätig – als kongenialer Freispieler erweist; und im freien Raum der Interaktion ist der Bassist Klaus Füger eben nicht Katalysator und Verankerer, sondern gleichberechtigter und gleichzeitiger Impuls- und Farbgeber. Die CD gliedert sich in zwei Teile, eine "sonata a tre for prepared piano, percussion & double bass" in drei Sätzen (wobei die Genrebezeichnung, wie die Gemischtsprachigkeit andeutet, "cum grano salis" zu verstehen ist) und ein "continuum for cembalo, percussion & double bass". Dicht und flächig musizieren die drei, aber bei aller Tayloristik scheint immer wieder Humor auf; mikromotivische Strukturen und rhythmische Patterns lassen sich im munter bis heftig sprudelnden Ereignisfluss verfolgen. Das ist nicht immer leichte Kost, aber Zuhörmusik, die die Höranstrengung mit vergnüglichen Überraschungen lohnt.
Thomas Fitterling, 22.02.2008 RONDO Ausgabe März 2008
Die Musikmixer
Double-you-be serviert im Kemptener Stift außergewöhnliche Klangcocktails
Mit guter Musik ist es wie mit einem guten Cocktail: er ist schön rund gemischt und hat trotzdem einen ausgeprägten ureigenen Charakter, so dass man allein wegen dieses Getränks die Stammbar nicht mehr wechseln will. Das wissen auch die Musikmixer von Double-You-Be, die am Dienstagabend im Kemptener Stift auftraten. Mit Kreativität und Leichtigkeit, die ihresgleichen suchen, vermischen sie Stile und Genres zu einem völlig neuen, unverwechselbaren Soundelixier: Jazz, Pop, Rap, Reggea und Avantgarde verschmelzen in den eigenwillligen Grooves von Walter Bittner (Drums, Gesang), der die meisten Stücke komponiert, und werden hervorragend ergänzt durch Helmut Troendles einfallsreiche Piano-Beiträge. Klaus Füger begeistert mit seinen komplexen und doch so klaren Bass-Einlagen und Bobby Palleis liefert am Saxofon eine äußerst farbige, expressive und mitreißende Begleitung. Unterstützt wird er dabei von Ute Legner am Waldhorn, die zudem mit ihrem konzentrierten, fantasievollen Gesang, nur ein weiteres Instrument zu bilden scheint. Lautmalerisches vermischt sich darin leichtfüßig mit wunderbaren Texten, die sie meist selbst schreibt. Und die sind, genau wie die Musik, mal aufgekratzt und explosiv, mal nachdenklich und entspannt. Es kommt auch vor, dass von einem Jazz-Standard wie "How deep is the ocean" nur der Text übernommen und alles andere komplett auseinandergerissen und neu arrangiert wird. Dazwischen bleibt jede Menge Platz für ausgiebige Improvisationen, die bei jedem Konzert anders ausbalanciert werden. So kommt der Sound niemals abgestanden, sondern immer wieder frisch und unverbraucht daher. Wie ein guter Cocktail eben. Mehr davon!
( Allgäuer Zeitung, Mai 2007 )